Witwen / Widows

„Schon immer faszinierten mich die dunklen Schlafzimmer mit den schweren Ehebetten aus Eichenholz, die Wohnstuben, die nie benutzt wurden (höchstens wenn mal auswärtiger Besuch kam), und die Küchen, die immer blitzblank und aufgeräumt sein mussten. Sinnbilder einer deutschen Kindheit. Spiegel der Kriegsgeneration, die es bald nicht mehr geben wird. Mehrere Jahre habe ich über dreißig Witwen besucht und in deren Wohnungen fotografiert. In meiner Geburtsstadt Viernheim in Südhessen, in Berlin, Hamburg, im Ruhrpott und in Norwegen. Ich arbeitete mit einer Mittelformatkamera, eine umständliche Technik, die mir Zeit gewährte und viel Geduld verlangte.

Ich wollte nicht die Gesichter der Frauen ablichten, sondern in ihren Wohnungen, ihre innere Verfasstheit aufspüren. Metaphern finden für ihre Trauer und Melancholie, die Schwermut und Verschlossenheit. Eine schwierige Aufgabe, denn für diese Frauen ist das Zuhause nichts, was man zeigt und ausstellt. Privatheit ist ihnen heilig. Mich hat diese Hürde gereizt. Genau das ist das Wesentliche in meiner Fotografie. Zugang und Einblicke zu erhalten. Verborgene Geschichten mit Bildern erzählen.“

(Claudia Reinhardt, April 2020)

 

Mit einem literarischen Text von Tomas Espedal.

 

Witwen / Widows

Witwen / Widows

Witwen / Widows

Witwen / Widows

Witwen / Widows