White Rain / Weißer Regen

Der Logik des Wassers folgt Harriet Groß mit ihren linearen Raumzeichnungen und Interventionen zur Polyphonie des Regens. Hierin erforscht sie Grenzen als Schwellenzonen auf ihre Durchlässigkeit und Möglichkeit hin Räume zu öffnen.

Der „Weiße Regen“ ist Sinnesereignis und lineare Struktur in einem. Schwarz und Weiß. Anwesenheit und Abwesenheit. Positiv und Negativ.
Aus der Fülle von Einzelereignissen schreibt der Regen seine eigene Notation von neuen transparenten Räumen. Jedes Notat verlangt nach einer Interpretation. Wie in ihren räumlichen Zeichnungen durchwandert der Betrachter in diesem Buch einen imaginären Raum mit wechselnden Blickwinkeln und Bezügen. Folgt man dem Rhythmus der einzelnen Kapitel, taucht man bereits in die Gesamtpartitur ihrer Zeichnungen ein. Es wird analysiert, gespiegelt, wiederholt, überlagert und komponiert. Und die Linie selbst wird bei ihrem Übergang in den realen Raum materialisiert. Sie seziert ihn und fächert ihn auf. Durch Wiederholung ausgelöste minimale Verdichtungen und Pausen bilden sich Zwischenräume in zeitlicher und räumlicher Abfolge.
Die Linien ihrer Notationen lesen sich gleichsam als Notationen von Denkprozessen, die ihrem eigenen Rhythmus folgen. So lässt sich das Buch „Weißer Regen“ als Aufforderung zur Imagination von unendlichen Variationen lesen, wie auch der Saum in der Brandung des Meeres eine Grenzlinie schreibt, die sich immer wieder neu zeichnet.