American Night

Julian Rosefeldt gehört heute zu den bildmächtigsten Künstlern an der Schnittstelle zwischen narrativem Film und komplexer Filminstallation. Seine suggestiven Bildwelten behandeln seit Ende der 90er Jahre – mit deutlichen Anspielungen auf die barocken Traditionen des 'theatrum mundi' – das (kinematographische) Spiel mit Schein und Sein und das Leben in ewiger Wiederholung. Auf einer weiteren Ebene spielen fast alle Arbeiten Rosefeldts mit der Idee des tableau vivant und seiner bewegten Bewegungslosigkeit.

In der opulenten 5-Kanal-Filminstallation American Night (2009), die diesem Buch zu Grunde liegt, reflektiert Rosefeldt zum einen das Genre des Westerns, mit seinen mittlerweile tradierten Motiven, und entlarvt dabei zugleich die filmische Logik seiner Szenen, indem er auch einen Blick hinter die Kulissen, auf das Set und den Produktionsprozess gewährt; zum anderen verbindet Rosefeldt in der Installation den Gründungsmythos Amerikas mit seiner aktuellen hegemonialen Außenpolitik.

Julian Rosefeldt: American Night wird vom Kunstmuseum Bonn, in Kooperation mit EX3-Centro per l’Arte Contemporanea, Florenz, herausgegeben; Die Herausgeber sind Stephan Berg, Lorenzo Giusti und Arabella Natalini.

Presseresonanz: 

Stefano Cernuschi schreibt in Mousse Contemporary Art Magazine Feb/März 2010 (S. 151):

"This catalogue is mesemerizing, baroque and lavish in its imagination and inventiveness. The same holds true for Rosefeldt's work itself, specifically American Night, a grand new video production – over 40 minutes – that adopts the aesthetics and lexicon of the Western genre, as key to addressing some rather archaic and certainly enduring ideas as the Fight in the name of Justice, Civilization, the Frontier, the Gun, and the risky life of a Hero (white, male, Republican?) into the open world of Nature. This whole contextual and visual framework constitutes the field in which Rosefeldt builds his narrative, setting in motion the psychological decomposition of forces and characters. And just unfolding the sumptuous pages of the publication makes this revelation a striking and fascinating one."